Sömmerda | 14.09.2009





Bereits als Kind entdeckte der 1965 in Gotha geborene
Görlitz seine Liebe zum Wasser. Angeregt durch die Berichterstattung über Thor
Heyerdahl beschäftigt er sich seit seiner frühesten Jugend mit dem
prähistorischen Schiffbootbau. Erste Versuche unternahm er mit selbstgebauten
Schilfbooten auf einem nahen Stausee. Nach einem Lehramtsstudium für Sport und
Biologie arbeitete er als Gymnasiallehrer. Derzeit schreibt er seine Doktorarbeit
zum Thema „prähistorischer Kulturpflanzenaustausch“. „Es gibt viele Beweise, dass bereits vor vielen tausend
Jahren Atlantiküberquerungen stattgefunden haben müssen“, so Görlitz. So seien
beispielsweise in Amerika Baumwolle und Flaschenkürbisse aus dieser Zeit
nachgewiesen worden, die nur aus Europa stammen können. Umgekehrt fand man
gehäckselte Tabakreste in der Mumie von Ramses II. (1298 v. Chr. bis 1213 v.
Chr.), deren Ursprung in Amerika lag. Mit seinen Aborah-Expeditionen wollte Görlitz nachweisen,
das solche Reisen mit einfachsten Mitteln möglich seien. Zur Orientierung
würden der Nordstern und ein Winkelmesser reichen. Das größte Problem sei
jedoch das „Kreuzen vor dem Wind“ – das Segeln bei Gegenwind. Anhand antiker
Zeichnungen erkannte Görlitz, dass die prähistorischen Boote über
Seitenschwerter verfügt haben müssen – Bretter, die mit der Außenseite des
Bootes fest verbunden waren und tief ins Wasser reichten. Der Effekt sei mit
dem Kielschwert moderner Segelboote vergleichbar, erklärte Görlitz. Denn er
musste sich einem weiteren Problem bei seiner Reise stellen: „Water Eddies“ -
große natürliche Wasserwirbel im Golfstrom, die Schiffe völlig von der Route
abbringen können, wenn sie nicht schnell genug und ausreichend manövrierfähig
sind. „Unsere Vorfahren müssen die Meere genau gekannt haben“, ist sich Görlitz
sicher. Leider sei dieses Wissen im Laufe der Zeit verloren gegangen. Die Aborah III wurde 2005 in Bolivien gebaut und zum
Startpunkt nach New York transportiert. Dabei wurde sie beschädigt und
anscheinend erfolgreich repariert, was der Expedition später jedoch zum
Verhängnis werden sollte. 2007 setzte sich dann das 12 Meter lange, 4,3 Meter
breit und 10 Tonnen schwere Schiff in Richtung Europa in Bewegung. 40
Quadratmeter Segelfläche sollten die neun Männer und zwei Frauen bis nach
Spanien bringen. Das Boot wurde vollständig ohne Schrauben und Nägel gebaut.
Durch etwa 8000 Knoten wurde es so elastisch, dass es sich optimal den Wellen
anpassen konnte. Besonderen Wert legte Dominique Görlitz auf soziale
Kompetenz seiner Mannschaft. Kommunikationsfähigkeit und vor allem Humor seien
auf der etwa zweimonatigen Reise wichtig, welche nicht immer einfach war.
Flauten mit absoluter Windstille, gutes Segelwetter und Stürme wechselten sich
ab. Dann passierte es. Nach einem besonders schweren Sturm brach das Heck ab.
Der nach dem Transport geflickte Schaden hatte sich als Schwachstelle erwiesen.
Damit musste die Expedition nach 3000 gesegelten Kilometern und 1000 km vor dem
Ziel etwa 500 km vor den Azoren abgebrochen werden. „Fehler sind das wichtigste Prüfkriterium der Praxis“,
lautet die Auswertung von Görlitz. Inzwischen plant er die Aborah IV, die genau
nach dem Vorgängermodell gebaut werden soll. Allerdings dieses Mal direkt am
Startpunkt in den USA, um Transportschäden zu vermeiden. Wenn er das nötige
Geld zusammen hat, will er in zwei bis drei Jahren mit dem Bau beginnen. Bis
dahin sucht Dominique Görlitz noch Sponsoren, die ihn unterstützen. Aufgeben
kommt für ihn nicht in Frage. Wer helfen will, findet nähere Informationen
unter www.abora.eu.

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