Thüringische Landeszeitung

Bauhaus-Möbel für den Knast

Weimar / Weimarer Land | 15.07.2010

Bauhaus Möbel TLZ Bauhaus Möbel TLZ

Design-Studenten der Bauhaus-Universität Weimar haben für das neuen Jugendgefängnis bei Arnstadt Möbel und Räume entworfen. Ihre Ideen präsentieren sie ab Donnerstag zur viertägigen "summary" - dem Jahresabschluss der Uni - in einer Ausstellung mit weiteren kreativen Arbeiten.

Weimar. Ehrfürchtig anmutende Flure empfangen den Besucher. Von Bauhausmeister Oskar Schlemmer gefertigte Wandgemälde und Reliefs weisen im früheren Werkstattgebäude den Weg zu einem Treffen mit dem studentischen Nachwuchs. Angehende Designer der Bauhaus-Universität haben sich seit November mit der Gestaltung von Möbeln, Zellen und Zimmern im neuen Thüringer Jugendgefängnis bei Arnstadt beschäftigt, haben sich manchmal damit gequält, aber immer wieder auch mit viel Spaß auseinandergesetzt. "Wohin möchten Sie?" Auf die freundliche Frage folgt sofort die Bemerkung: "Unbekannte fallen hier sofort auf." Es ist Kathi Stertzig, künstlerische Mitarbeiterin des Projektes. Kurz darauf steht mir der Lehrstuhlleiter, Professor Ger-rit Babtist, gegenüber. "Hallo und guten Tag." Der groß gewachsene Holländer ist leger gekleidet, wirkt jugendlich und nickt einladend. Spätestens als er erzählt, wie er vom Badminton-Spiel am Vorabend einen Muskelkater davontrug, ist jede Beklemmung verflogen. Der Professor ist ein Mensch mit Bodenhaftung. Dann treffen seine Studenten ein. Die meisten der jungen Leute sind in Schlabber-Klamotten gehüllt. Sie wirken vertraut im Umgang miteinander, aber auch mit ihrem Professor. Alle haben sich um das Projekt "Jugendknast", wie sie es nennen, beworben. Neugier sei es gewesen, die Möglichkeit, in eine fremde Welt vorzudringen, erzählen sie von ihren Beweggründen. Die ersten Antworten kommen noch vorsichtig. Es ist ein Abtasten mit dem Reporter. Das Herangehen der Studenten an ihre Aufgabe war sehr unterschiedlich. Doch sie alle mussten sich mit dem Korsett Gefängnis arrangieren, das sagen sie immer wieder, das hat sie intensiv beschäftigt. "Studenten lieben es, sich mit ihren Ideen und Entwürfen erst einmal recht frei zu bewegen", erklärt Gerrit Babtist. "Die Vorgaben, was die Sicherheit betrifft, waren schon recht eng", meint Joana Greulich. Der 21-jährige Arvid Häusser empfand die Konfrontation mit einem Gefängnis und den Häftlingen als sehr spannend. Die jungen Leute mussten nicht nur Entwürfe entwickeln, sie mussten auch das Knast-Personal von sich überzeugen. "Wir trafen bei der Gefängnisleitung mit unserem ersten Besuch auf Skepsis." Jens Zijlstra erinnert sich, dass die Beamten wohl eher gedacht hatten, jetzt kommen ein paar Spinner. Eine nicht ganz unbegründete Annahme, bestätigt die Leiterin der Jugendstrafanstalt in Ichtershausen, Annette Brüchmann.(TLZ)