Tourismus

Thüringen touristisch im Mittelfeld

Südthüringen | 26.11.2010

Tourismus, Oberhof, Wintersaison
Wintersport in Oberhof

Der Tourismus in der Bundesrepublik hat die Krise gut und schnell durchschritten - und Thüringen muss durch eine kleine Delle. Mit 368,7 Millionen Übernachtungen hat die Bundesrepublik 2009 ihren ersten Platz in Europa als Touristenziel nur deshalb verteidigen können, weil niemand sein eigenes Land als Reiseziel so liebt wie die Deutschen. Durch die Krise wurde dieser Trend noch verstärkt, denn viele Bürger verzichteten angesichts der eigenen Kassenlage auf einen Auslandsurlaub, was wiederum der einheimischen Branche sehr gut tat.

Der große Verlierer im Vergleich zum Vorjahr ist Rumänien, dass ein Viertel weniger Übernachtungen verzeichnet. Litauen hat einen Rückgang von neunzehn Prozent und das Sonnenland Bulgarien von siebzehn Prozent zu verkraften. Spitzenreiter Deutschland legte um 2,3 Prozent zu. Nur Schweden und die Niederlande verzeichneten noch Zuwachs, alle anderen europäischen Staaten Verluste.
Diese Zahlen gehen aus dem Tourismus-Barometer hervor, das alljährlich vom Deutschen Sparkassen- und Giro-Verband veröffentlicht wird.
Thüringen hatte im Vergleich der Umsätze der ersten acht Monate von diesem und dem vergangenen Jahr einen Rückgang von 2,5 Prozent zu verzeichnen. Experten rechnen das vor allem der Geschäftsreisebranche zu, die in Krisenzeiten weniger Kongresse und Tagungen veranstaltet. Thüringen sitzt zwischen zwei gegenläufigen Trends. Während der Städtetourismus europaweit boomt, stagniert der Fremdenverkehr in den Mittelgebirgen oder verzeichnet sogar leichte Verluste.
Das Tourismus-Wunderland der vergangenen Jahre, Mecklenburg-Vorpommern, musste einen Umsatzrückgang von 4,8 Prozent verkraften. Nach dem lang anhaltenden Aufschwung scheint jetzt die Phase der Anpassung angebrochen zu sein.
Im Vergleich der 227 europäischen Regionen belegt Thüringen den 111. Platz. Es konnte innerhalb eines Jahres um 35 Ränge aufsteigen. Berlin belegt in dieser Rangfolge den vierten Platz und Hamburg den achten. Spitzenreiter sind die Reise-Klassiker Balearen, Kanarische Inseln und Paris. Europas rote Laterne trägt das ungarische Südtransdanubien.
Trotz aller Erfolge kämpft die deutsche Branche mit verschiedenen Problemen. Da immer mehr Arbeitnehmer in Teilzeit statt als Fachkräfte eingestellt werden, droht ein Verlust an Service-Qualität. Selbst eine traditionsreiche Musterregion wie das Alpenland bedarf einer gründlichen Modernisierung. Deutschlandweit investieren die Betriebe zurückhaltend.
In diesem Jahr wurde auch die Bedeutung der Nachhaltigkeit untersucht. Die Experten errechneten, dass mit umweltfreundlichen Angeboten zusätzlicher Umsatz von 4,5 Milliarden Euro möglich wäre. Ein Problem ist die Schwemme von Umweltzertifikaten, deren Wirkung deshalb verpufft. (tlz)
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