Südthüringen | 30.12.2010
Die Schneemassen bringen Thüringens Winterdienst an den Rand der Leistungsfähigkeit. Momentan seien 143 Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz, sagte Verkehrsminister Christian Carius. Es seien eigens zehn neue Beschäftigte befristet für den Winterdienst eingestellt worden.
Das größte Problem sei derzeit die gewaltige Masse an Schnee, sagte der CDU-Minister am Mittwoch unserer Zeitung. Die Ursachen für die beiden tragischen Unfälle auf Autobahnbrücken in Südthüringen würden momentan noch untersucht. "Wir müssen die Unfallberichte abwarten", sagte Carius. Generell seien Brücken in dieser Jahreszeit allerdings besonders anfällig für Glatteis.
Derzeit gibt es in Thüringen noch keinen Mangel an Streusalz, versicherte der Verkehrsminister. Die Vorräte würden noch für sechs Wochen ausreichen, zudem habe man Verträge mit den Herstellern zu entsprechenden Nachlieferungen. Allerdings arbeiteten diese derzeit alle an ihren Kapazitätsgrenzen, hätten Gespräche mit den Unternehmen bestätigt. Es habe daher eine regelrechte Explosion der Preise für Streusalz gegeben. "Im Sommer kostete die Tonne noch 80 Euro, derzeit liegt der Preis bei 260 Euro für eine Tonne", sagte Carius. Daher seien alle Bundesländer bemüht, das vorhandene Salz möglichst optimal einzusetzen, erklärte der Verkehrsminister.
Thüringen habe auch im zurückliegenden Winter bereits enorme finanzielle Anstrengungen zur Beseitigung der Winterfolgen auf den Straßen unternommen. Allein 200.000 Euro habe das Land den Kommunen zur Verfügung gestellt, wenn diese durch Drittfirmen den Schnee an gefährlichen Stellen aus den Orten abtransportieren ließen, sagte Verkehrsminister Carius im Gespräch mit dieser Zeitung. Ein Angebot, dass man auch in diesem Jahr wieder erneuert habe.
"Allerdings hat der Winter im zurückliegenden Jahr noch nicht so zeitig begonnen, wie in diesem Jahr", sagte Carius. Daher sei damit zu rechnen, dass die Kosten für das Räumen und Streuen der Straßen jetzt noch höher ausfielen. Es sei allerdings bedenklich, wenn allein die Kosten für die Winterräumung nahezu die Hälfte des Budgets für den Erhalt der Straßen auffressen, warnte der CDU-Politiker. Das Geld werde an anderer Stellen fehlen.
"Im Vorjahr ist es uns auch dank einer enormen Kraftanstrengungen gelungen, die Straßen nach den umfangreichen Winterschäden wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen", sagte Carius. Jetzt drohe allerdings erneut ein umfangreicher Schaden an vielen Straßen im Freistaat.
Der sehe sich allerdings keinesfalls allein mit dem Problem der Straßenfinanzierung konfrontiert. Deshalb habe auch die Verkehrsministerkonferenz der Länder unter seinem Vorsitz die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die sich genau mit diesen Fragen beschäftigen wird. Es geht darum, dauerhaft stabile Finanzierungen für den Erhalt der Bundes- und Landesstraßen sicherstellen zu können, erläuterte Carius das Anliegen. Das sei insofern besonders wichtig, weil sich in den zurückliegenden Jahren der Zustand der Straßen in den deutschen Bundesländern keinesfalls verbessert habe. Deshalb müsse man für die Zukunft auch nach neuen Wegen einer Finanzierung suchen, kündigte der Verkehrsminister an.

B4B MITTELSTAND bedient den aktuellen Informationsbedarf des Mittelstands. Die Beiträge vermitteln einen Überblick über das jeweilige Thema und zeigen dessen praktischen Nutzen auf.