Südthüringen | 06.10.2010

Theater Meiningen
Die durch einen Kanonenschlag eingeleitete Bewegung der historischen Fassade des Meininger Theaters hat sich schneller und reibungsloser als erwartet vollzogen. Wie mit dem Skalpell durchtrennt: die historische Theaterfront an der Parkseite des Meininger Theaters.
Die durch einen Kanonenschlag eingeleitete Bewegung der historischen Fassade des Meininger Theaters hat sich schneller und reibungsloser als erwartet vollzogen. Alles lief exakt nach Plan: Die Theaterfront an der Parkseite wurde Meter um Meter, fünf insgesamt, an den See im Englischen Garten herangefahren. Auch das Wetter spielte mit und das Sensorium der Messtechnik arbeitete optimal, so dass diese technische Meisterleistung gelang.
Die Technik-Experten einer Spezialfirma hatte sogar richtig Gas geben können. Das stolze 522-Tonnen-Monument aus dem Ursprungsbau des Theaterherzogs von 1831 bewegte sich also nicht wie vorsichtig veranschlagt in unmerklicher Geschwindigkeit über drei Stunden, sondern absolvierte seinen „sichtbaren Spurt“ in exakt 120 Minuten.
Bläserklänge der Hofkapelle setzten dazu mit Stücken von Jeremiah Clarke und Jean Joseph Mouret markante akustische Zäsuren, bis das Werk nach den finalen 5,10 Metern mit Giovanni Gabriellis Canzon Septimi Toni No.2 sein Ziel erreichte.
„Jetzt kommen noch die alten Fundamente heraus“, konstatierte der sichtlich zufriedene Technische Direktor des Theaters, Detlef Nicolmann, und erklärte: „In vier Wochen ist die Lücke geschlossen. Dann wird der Giebel mit einem behutsamen Schienensystem aus Stahlprofilen an das Haupthaus gebunden.“
Die spektakuläre Aktion, die eine große Schar von Schaulustigen angelockt hatte, ist Teil der Generalsanierung des Südthüringischen Staatstheaters. Die für eineinhalb Jahre angesetzte Rekonstruktionsphase des Meininger Theaters, die mit 21,5 Millionen Euro veranschlagt ist, hatte mit der Giebelverschiebung einen Höhepunkt der baulichen Wandlung des Hauses erfahren. Der durch diese gewaltige Veränderung erreichte Raumgewinn ermöglicht die Vergrößerung der Hinterbühne um ein Drittel ihrer Fläche.
Mehr noch: Unter anderem kommt die vom TÜV geforderte Ausführung des Dachstuhls in Stahlkonstruktion, der Orchestergraben wird auf Wagner-Format vergrößert und eine Drehbühne mit vier Hubpodien (bislang gab es nur eine Drehscheibe) eingebaut. Nicht zu vergessen der Einbau computergesteuerter Zugsysteme und weiterer Sanitäranlagen. Getragen wird das Finanzvolumen in der Hauptsache von der EU und dem Freistaat Thüringen, doch auch die Stadt Meiningen muss ihr Scherflein beitragen.
Ein kleiner Schritt von wenigen Metern für das Gebäude, aber ein großer Sprung für das Theater. So kann die Zukunft kommen. (Main Post)
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