Südthüringen | 04.12.2010

Castor-Behälter mit Brennelementen
Ein Atomtransport mit vier Castorbehältern wird voraussichtlich am 14. Dezember durch Thüringen rollen. Das erwarten Atomkraftgegner, die zu Protesten entlang der Strecke aufrufen. Der Atomzug kommt aus dem südfranzösischen Kernforschungszentrum Cadarache und soll am 15. oder 16. Dezember im Zwischenlager in Lubmin ankommen. Auch das Thüringer Innenministerium und die Polizei bereiten sich auf einen Transport in diesem Zeitraum vor, sagt ein Ministeriumssprecher.
Der Zug werde "nach aktuellem Stand mit hoher Wahrscheinlichkeit" durch Thüringen fahren. Ob er dabei von Würzburg kommt und auch die Städte Meiningen und Suhl passiert, würde letztlich die Bundespolizei entscheiden, die den Transport schützen wird. Die Landespolizei soll hauptsächlich Demonstrationen in Städten und Gemeinden absichern.
Während vor den Toren des Zwischenlagers Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern ein ähnlicher Proteststurm entfacht werden soll wie im niedersächsichen Gorleben, wird sich der Widerstand entlang der Strecke auf einzelne Demonstrationen beschränken. Contratom, ein Netzwerk der Atomgegner, ruft dazu auf, den Zug entlang der Strecke zum Langsamfahren zu zwingen. "Schwerpunkte setzen wir an Nadelöhren, wo der Transport vorbeikommen muss", sagt Contratom-Sprecher Jan Becker.
In Thüringen ruft ein Bündnis aus Parteien und Organisationen für den 14. Dezember zu einer Anti-Atom-Demonstration auf. Auch die Bündnisgrünen beteiligen sich an dem Protestzug, der am Nachmittag vor der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt beginnen soll. Die Castortransporte seien Sinnbild dafür, dass auf die falsche Technologie gesetzt worden sei, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Dirk Adams. Zudem halte die Ökopartei Lubmin aus Sicherheitsgründen für ungeeignet, Castorbehälter solange einzulagern, bis sie in ein Endlager geschafft werden können. Auch der BUND Umwelt und Naturschutz, der DGB und die Linken wollen sich am Protest beteiligen. Man sehe jeden Castortransport im Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, sagt Linken-Landtagsabgeordnete Martina Renner. Die nach wie vor ungeklärte Frage der Lagerung von hochgefährlichem Müll zwinge die Menschen zum Aufstehen und Widersetzen, so Renner. Ihr Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Jens Petermann, fordert indessen den Suhler Oberbürgermeister Jens Triebel auf, sich "mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln" gegen einen Transport durch die Stadt Suhl zu verwahren. (Freies Wort)
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