Sömmerda | 21.07.2011
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschafts-Forschung (DIW) belegt: nur die Großverdiener profitieren vom Konjunktur-Aufschwung. Schuld sind Mini-Jobs, Zeitarbeit & Co.
Leute mit wenig Geld haben immer weniger Geld. Das belegt jetzt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschafts-Forschung (DIW). Laut dieser Studie sind Niedrigverdiener die größten Verlierer des Wirtschafts-Aufschwungs, berichtet die Nordsee-Zeitung. Das Nettoeinkommen dieser Gruppe sei demnach in den letzten zehn Jahren um bis zu 22 Prozent gesunken. Dagegen verzeichnet die Gruppe der Großverdiener einen Zuwachs von einem Prozent.
Die DIW-Studie
Zunächst hat das DIW die Beschäftigten in zehn Einkommens-Gruppen aufgeteilt, berichtet die Zeitung weiter. Demnach hatten die untersten zehn Prozent im Jahr 2000 reale Einkünfte von monatlich durchschnittlich 270 Euro. Diese Zahl ist bis 2010 auf nur mehr 210 Euro gesunken. Bei den Großverdienern geht die Kurve in die andere Richtung. Hier waren es 2000 noch 3419 Euro, 2010 schon 27 Euro mehr. Betrachtet man alle Einkommens-Gruppen gingen die realen Nettoeinkünfte um durchschnittlich 2,5 Prozent zurück. Die Daten für die Studie kommen vom sozio-ökonomischen Panel (Soep). Hier werden jährlich mehrere tausend Menschen nach ihren Lebens-Umständen befragt.
Drastische Zunahme atypischer Beschäftigungs-Verhältnisse
Der DIW-Forscher Markus Grabka sieht des Rätsels Lösung in den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Immer mehr Beschäftigte verdingen sich hier bei Zeitarbeits-Firmen, in Kurz- und Leiharbeit, etc. Dies nennt Grabka „atypische Beschäftigungs-Verhältnisse“, berichtet die Nordsee-Zeitung weiter. Durch den Anstieg dieser Art der Beschäftigungen habe sich der Niedriglohn-Sektor massiv ausgeweitet. Die Politik spricht gern von neu geschaffenen Stellen. Blickt man aber auf diese Arbeitsplätze sind rund 57 Prozent davon Jobs in der Zeitarbeit.
Mehr Geld ist nicht in Sicht
Mehr Geld wird es im Niedriglohn-Sektor so bald wohl nicht geben, meint Grabka. Trotz Fachkräfte-Mangel. „Dieser Engpass ist nur für die obere Hälfte der Einkommensbezieher relevant. Vor allem eben für Fachkräfte“, sagte er der Nordsee-Zeitung.
Kaum Tarifbindung im Niedriglohn-Sektor
Auch die geringe Tarifbindung im Niedriglohn-Sektor mag einer der Gründe für die negative Entwicklung sein. Im Durchschnitt sind rund 60 Prozent der Deutschen nach einem Tarifvertrag angestellt. Im Niedriglohn-Sektor dagegen nur etwa 30 bis 35 Prozent. So erklärt es Reinhard Bispinck von der Hans-Böckler-Stiftung. „Die Niedrigverdiener sind auf ihr individuelles Verhandlungs-Geschick angewiesen. Dieses ist meist, wie man sich leicht denken kann, nicht besonders stark ausgeprägt“, sagte Bispinck.

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