
Kinder warten sehnsüchtig auf Eröffnung des Buffets
Am 1. August tritt das neue Kindergartengesetz in Kraft. Es garantiert Kindern bereits nach dem ersten Geburtstag einen Kita-Platz. Nicht überall jedoch gibt es genügend Plätze.
Thüringens Kindergartengesetz setzt bundesweit Maßstäbe: Vom 1. August
an garantiert es einjährigen Kindern einen Platz in einer
Kindertagesstätte. Trotz Rechtsanspruchs dürfte es aber vor allem für
Eltern in den größeren Städten schwierig werden, tatsächlich bereits ab
August einen Krippenplatz zu ergattern.
Teilweise müssen Einrichtungen für die Knirpse noch neu gebaut oder
erweitert werden, auch zusätzliche Erzieherinnen sind noch nicht
überall ausreichend eingestellt. Nach Angaben des Kultusministeriums
lässt eine Übergangsregelung den Kommunen bis August 2013 Zeit, die
Kitaplatz-Garantie stufenweise umzusetzen.
In Jena, wo bereits vor dem Landesgesetz Kinder unter zwei Jahren unter
bestimmten Bedingungen eine Kita besuchen konnten, rechnet die Stadt
mit einem Mehrbedarf von etwa 100 Krippenplätzen. Damit würde sich die
Betreuungsquote bei Einjährigen von 65 auf 75 Prozent erhöhen, sagte
Stadtsprecherin Barbara Glasser.
In der geburtenfreudigen Universitätsstadt mit jährlich mehr als 1000
Neugeborenen klagen allerdings bereits jetzt viele Eltern über lange
Wartelisten in den knapp 60 Kitas. «In einigen Wohngebieten ist es
ziemlich eng», bestätigt Glasser. In anderen, etwa im Plattenviertel
Lobeda, gebe es aber freie Kapazitäten. Für alle Kita-Altersgruppen
werden in Jena insgesamt rund 5000 Plätze gebraucht. Derzeit stehen in
Kindergärten und bei Tagesmüttern etwa 4900 zur Verfügung, bis Sommer
2011 sollen es 5200 sein.
In Weimar geht die Stadtverwaltung von 413 benötigten Plätzen für
Kinder unter zwei Jahren aus. Die kommunale Hufeland-Gesellschaft, die
zehn von 34 Weimarer Kitas betreibt, baut derzeit eine neue
Kinderkrippe mit 24 Plätzen und stockt eine andere um 12 Plätze auf.
«Trotzdem gibt es Wartelisten», räumt Geschäftsführer Rudolf Dewes ein.
Dagegen verfügt Altenburg über ein Polster von rund 150 freien Plätzen,
die auch für die Einjährigen bereitstehen. «Wir planen schon bisher
rund zehn Prozent der verfügbaren 1150 Plätze für die ganz Kleinen ein,
die werden aber kaum genutzt», sagt Sozialreferentin Ines Quart.
In Suhl rechnet Kita-Fachberaterin Karin Hesse vorerst mit keiner
gravierend höheren Nachfrage. «Bei uns werden schon 40 Prozent der
Kinder unter zwei Jahre betreut.» Auch in der 2800-Einwohner-Gemeinde
Saaleplatte (Kreis Weimarer Land) wird sich trotz Rechtsanspruchs wohl
nichts Wesentliches ändern, wie Bürgermeister Jörg Hammer (Freie
Wähler) meint. «Wir haben in unseren neun Ortsteilen zwei Kitas mit 44
und 100 Plätzen, das reicht.»
Aus dem Kultusministerium heißt es, generell sei der
Kita-Rechtsanspruch in Einrichtungen auf dem Land eher umsetzbar als in
den größeren Städten. Dem Gesetzgeber sei klar gewesen, dass für die
Umsetzung des Rechtsanspruches teilweise erst die Voraussetzungen
geschaffen werden müssten, sagte Ministeriumssprecher Gerd Schwinger.
Dazu gehören krippengerechte Umbauten, etwa Wickel- und Schlafräume,
und die Aufstockung des Personals.
Denn das Gesetz sieht auch einen besseren Betreuungsschlüssel vor. So
soll etwa eine pädagogische Fachkraft nicht mehr als vier Einjährige
und maximal sechs Zweijährige betreuen. Landesweit sind nach den
Berechnungen des Ministeriums deshalb 2400 neue Erzieherstellen nötig.
Das Land stellt dafür in diesem Jahr rund 40 Millionen Euro zur
Verfügung.
Der höhere Personalbedarf für die Kitas kann vielerorts nur
schrittweise gedeckt werden. Allein in Jena werden etwa 150 zusätzliche
Erzieher benötigt. «Wir haben schon im April angefangen zu suchen und
Vorverträge abgeschlossen», berichtet Holger Boas, Geschäftsführer der
Thüringer Sozialakademie, die Kitas in Erfurt und Jena betreibt. Die
Hufeland-Gesellschaft Weimar hat bislang 12 von 17 neuen Stellen
besetzt, weitere sollen bis Jahresende folgen. «Da scheint der Markt
durchaus etwas herzugeben», sagt Geschäftsführer Dewes. (Freies Wort)
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