Kindergartengesetz

Kita-Garantie für Einjährige häppchenweise umgesetzt

Sömmerda | 26.07.2010

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Kinder warten sehnsüchtig auf Eröffnung des Buffets

Am 1. August tritt das neue Kindergartengesetz in Kraft. Es garantiert Kindern bereits nach dem ersten Geburtstag einen Kita-Platz. Nicht überall jedoch gibt es genügend Plätze.

Thüringens Kindergartengesetz setzt bundesweit Maßstäbe: Vom 1. August an garantiert es einjährigen Kindern einen Platz in einer Kindertagesstätte. Trotz Rechtsanspruchs dürfte es aber vor allem für Eltern in den größeren Städten schwierig werden, tatsächlich bereits ab August einen Krippenplatz zu ergattern.

Teilweise müssen Einrichtungen für die Knirpse noch neu gebaut oder erweitert werden, auch zusätzliche Erzieherinnen sind noch nicht überall ausreichend eingestellt. Nach Angaben des Kultusministeriums lässt eine Übergangsregelung den Kommunen bis August 2013 Zeit, die Kitaplatz-Garantie stufenweise umzusetzen.

In Jena, wo bereits vor dem Landesgesetz Kinder unter zwei Jahren unter bestimmten Bedingungen eine Kita besuchen konnten, rechnet die Stadt mit einem Mehrbedarf von etwa 100 Krippenplätzen. Damit würde sich die Betreuungsquote bei Einjährigen von 65 auf 75 Prozent erhöhen, sagte Stadtsprecherin Barbara Glasser.

In der geburtenfreudigen Universitätsstadt mit jährlich mehr als 1000 Neugeborenen klagen allerdings bereits jetzt viele Eltern über lange Wartelisten in den knapp 60 Kitas. «In einigen Wohngebieten ist es ziemlich eng», bestätigt Glasser. In anderen, etwa im Plattenviertel Lobeda, gebe es aber freie Kapazitäten. Für alle Kita-Altersgruppen werden in Jena insgesamt rund 5000 Plätze gebraucht. Derzeit stehen in Kindergärten und bei Tagesmüttern etwa 4900 zur Verfügung, bis Sommer 2011 sollen es 5200 sein.

In Weimar geht die Stadtverwaltung von 413 benötigten Plätzen für Kinder unter zwei Jahren aus. Die kommunale Hufeland-Gesellschaft, die zehn von 34 Weimarer Kitas betreibt, baut derzeit eine neue Kinderkrippe mit 24 Plätzen und stockt eine andere um 12 Plätze auf. «Trotzdem gibt es Wartelisten», räumt Geschäftsführer Rudolf Dewes ein.

Dagegen verfügt Altenburg über ein Polster von rund 150 freien Plätzen, die auch für die Einjährigen bereitstehen. «Wir planen schon bisher rund zehn Prozent der verfügbaren 1150 Plätze für die ganz Kleinen ein, die werden aber kaum genutzt», sagt Sozialreferentin Ines Quart.

In Suhl rechnet Kita-Fachberaterin Karin Hesse vorerst mit keiner gravierend höheren Nachfrage. «Bei uns werden schon 40 Prozent der Kinder unter zwei Jahre betreut.» Auch in der 2800-Einwohner-Gemeinde Saaleplatte (Kreis Weimarer Land) wird sich trotz Rechtsanspruchs wohl nichts Wesentliches ändern, wie Bürgermeister Jörg Hammer (Freie Wähler) meint. «Wir haben in unseren neun Ortsteilen zwei Kitas mit 44 und 100 Plätzen, das reicht.»

Aus dem Kultusministerium heißt es, generell sei der Kita-Rechtsanspruch in Einrichtungen auf dem Land eher umsetzbar als in den größeren Städten. Dem Gesetzgeber sei klar gewesen, dass für die Umsetzung des Rechtsanspruches teilweise erst die Voraussetzungen geschaffen werden müssten, sagte Ministeriumssprecher Gerd Schwinger. Dazu gehören krippengerechte Umbauten, etwa Wickel- und Schlafräume, und die Aufstockung des Personals.

Denn das Gesetz sieht auch einen besseren Betreuungsschlüssel vor. So soll etwa eine pädagogische Fachkraft nicht mehr als vier Einjährige und maximal sechs Zweijährige betreuen. Landesweit sind nach den Berechnungen des Ministeriums deshalb 2400 neue Erzieherstellen nötig. Das Land stellt dafür in diesem Jahr rund 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Der höhere Personalbedarf für die Kitas kann vielerorts nur schrittweise gedeckt werden. Allein in Jena werden etwa 150 zusätzliche Erzieher benötigt. «Wir haben schon im April angefangen zu suchen und Vorverträge abgeschlossen», berichtet Holger Boas, Geschäftsführer der Thüringer Sozialakademie, die Kitas in Erfurt und Jena betreibt. Die Hufeland-Gesellschaft Weimar hat bislang 12 von 17 neuen Stellen besetzt, weitere sollen bis Jahresende folgen. «Da scheint der Markt durchaus etwas herzugeben», sagt Geschäftsführer Dewes. (Freies Wort)
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