Für manche ist Ladendiebstahl ein Kavaliersdelikt, für den
Handel bedeutet dies aber jährlich Milliardenverluste. In Thüringen
wurden allein 2008 rund 10.000 Fälle zur Anzeige gebracht. Die
Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt geht davon aus, dass die
Dunkelziffer sogar noch wesentlich höher liegt.
„Obwohl die Zahl der erfassten Fälle rückläufig ist, stellt der
Warenschwund für unsere Händler eine erhebliche Belastung dar“, sagt
IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Ladendiebstahl sei, anders als
Einbruchdiebstahl, nicht versicherbar und wirke sich in jedem Fall
negativ auf die Ertragssituation des Handelsbetriebes aus. Generell
könne nur ein Bruchteil der tatsächlichen Diebstähle erkannt und erfasst
werden. „Viele Händler scheuen zudem den bürokratischen Aufwand, da die
Verfahren bei kleineren Delikten oft eingestellt werden“, berichtet
Grusser. Dabei sei der Anteil der Ladendiebstähle an den gesamten
Diebstahlshandlungen im Freistaat mit rund 23 Prozent schon jetzt sehr
hoch.
Ladendiebstahl ist aber nicht nur ein betriebswirtschaftlicher
Risikofaktor für den Handel. „Die Kosten zahlt letztlich der Bürger, da
zwangsläufig die Verkaufspreise erhöht werden müssen“, warnt der
IHK-Chef. Wie groß die finanziellen Belastungen allein durch
Ladendiebstahl seien, hätte eine aktuelle Untersuchung ermittelt.
Unehrliche Kunden verursachten demnach einen jährlichen Schaden von
knapp zwei Milliarden Euro in Deutschland, den eigenen Mitarbeitern
würden rund 800 Millionen Euro angelastet.
„Nach wie vor stiehlt somit statistisch gesehen jeder deutsche Haushalt
pro Jahr Waren im Wert von über 50 Euro“, gibt Grusser zu bedenken. Dem
Staat entgingen somit jährlich rund 400 Millionen Euro an
Mehrwertsteuereinnahmen.
Geklaut würden vor allem kleine, teure Markenartikel wie elektronische
Spiele und DVDs, Mobiltelefone, Kosmetik und Parfum, Rasierklingen,
Spirituosen, Bekleidung und Uhren.
Im Kampf gegen den Ladendiebstahl setze der Einzelhandel auf verdeckt
arbeitende Detektive, Kameraüberwachung und Systeme zur elektronischen
Artikelsicherung. „Knapp ein Drittel der am häufigsten gestohlenen
Produktgruppen erfährt jedoch keinen besonderen Schutz“, so Grusser
weiter. Hier müsse der Einzelhandel mit intelligenten Maßnahmen
gegensteuern, um die Verluste zu minimieren.